R 90 CAFÉ RACER.

Eine nordische Seele und sein besonderes Motorrad aus Alaska.

Der wachsende Trend zur Restauration von BMW Motorrädern geht um die Welt. In Alaska erregte kürzlich ein astreiner R 90 Café Racer unsere Aufmerksamkeit. Wir wollten mehr über den Eigentümer Erik Christensen und seinen erstaunlichen Boxer mit Namen ‚Catalyst’ herausfinden. Ein Bike, das er baute, um damit Gleichgesinnte zu inspirieren.

Der Look – klassisch.

Bereits auf den ersten Blick sieht man, wie viel Liebe in diesem Bike steckt. Allein die Lackierung: Das Pastellgrün erinnert an das Grün des klassischen Bianchi "Celeste" Rennrads. Das Cremeweiß ergänzt diese Vorgabe mit einer Portion Eleganz und für den braunen Zierstreifen zeichnet Perry Cowles verantwortlich. Ein ehemaliger Schildermaler, der inzwischen als Airbrush-Institution mit Perry's Rod and Custom seinen eigenen Laden führt. Und praktischerweise auch in Alaska sitzt.
Die Liebe zum Detail und zur Qualität zeigt sich auch in der maßangefertigten ledernen Werkzeugtasche. Sie fügt sich präzise in den Rahmen ein und harmoniert dabei perfekt mit dem Leder und der Gestaltung des Sitzes. Eine wirklich dauerhafte Passion, denn seit der Aufnahme dieser Bilder, wurde die Maschine in den verschiedensten Details immer wieder umgestaltet. Selbst dort, wo eigentlich schon alles perfekt aussah: So passen der Sattel und selbst die Rückspiegel durch kleine Materialveränderungen nun noch besser zu den Lenkergriffen aus Leder. Und der serienmäßige Bing 32 Vergaser wurde durch einen Dell'Orto 38 ersetzt. Doch wie kommt es eigentlich zu so viel Begeisterung?
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Lange Tage.

Alaska, der 49. amerikanische Bundesstaat. Einer seiner Spitznamen: ’Die letzte Grenze’. Ein Blick auf die Weltkarte macht schnell klar, weshalb: Im Westen von Alaska befindet sich bereits Sibirien. Im Osten der kanadische Yukon. Ein wenig weiter im Norden friert einem der arktische Ozean die Zehen weg. Alaska ist zudem bekannt als Land der Mitternachtssonne. Hier liefert die kurze Sommersaison vier Monate lang endloses Tageslicht. Und damit perfekte Sicht über die weiten Straßen. Eigentlich perfekte Motorradbedingungen. Eigentlich, denn Alaska hat auch eine dunkle Seite.

Lange Nächte.

Im Gegensatz zu der dauerhaft hellen Sommersaison sind die Winter in Alaska scheinbar unendlich lang, stockdunkel und meist auch schrecklich kalt. Eigentlich wieder perfekte Motorradbedingungen. Vorausgesetzt man hat ein paar gleichgesinnte Freunde, Zugang zu einer Werkstatt, ordentliches Werkzeug und natürlich eine Leidenschaft fürs Customizing. Das Ergebnis eines solchen Winters ist dann mindestens so speziell, wie die Nächte lang sind. Oder einfach so schön wie Eriks wahrhaft denkwürdiger BMW R 90 Café Racer.

Leidenschaft kennt kein Alter.

Im Leben außerhalb der Werkstatt betreibt Erik seine eigene Agentur für Versicherungs- und Finanzprodukte. Doch mit einem Roller fing bereits zu Schulzeiten das Customizing an. Und jetzt ein Café Racer?
"Die Szene steht ja eher auf dunkle und rebellischere Maschinen. Doch ich wollte einen sauberen, klar definierten Look eines alten Café Racers. Ich bin zu jung für eine Verkleidung und zu alt für einen Joghurtbecher. Früher war ich begeisterter Radfahrer und Pilot, das sieht man dem Umbau nun auch an. Zum Beispiel an dem markanten und minimalistischen Cockpit."
Seine Leidenschaft scheint unbegrenzt. Woher nimmt Erik, immerhin Vater und Ehemann, also die ganze Zeit? Klare Antwort: das Sofa vor dem Fernseher bleibt leer. Und wenn die Kinder im Bett sind oder am Wochenende finden sich immer ein paar Stunden. Schließlich baut Erik seine Maschinen auch, damit sie seine Kinder später einmal fahren können. An das Verkaufen verschwendet er keinen einzigen Gedanken. Schon gar nicht, wenn er sieht, wieviel Spaß seine Jüngsten haben, wenn sie ihrem Vater in der Werkstatt helfen dürfen. Obwohl helfen? Zumindest haben dann alle gemeinsam Spaß. Und das schadet keinem Projekt.
Außerdem schafft es Erik geschickt, seinem Nachwuchs auch in der Werkstatt gleich noch einige Lektionen mit auf den Weg zu geben: Verantwortung, Sicherheit, Kreativität, Genugtuung, Hingabe und Leidenschaft. Auch das kann später nicht schaden. Wenn Du mehr über Erik und seine Freunde im hohen Norden erfahren willst, schaue einfach auf ihre Facebook-Seite.
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Ich wollte einen sauberen, klar definierten Look eines alten Café Racers. Ich bin zu jung für eine Verkleidung und zu alt für einen Joghurtbecher. “

Erik Christensen

Hier noch schnell fünf Tipps von Erik.

1. Bau das Motorrad zweimal. Davon einmal, bevor es lackiert ist. Ich habe den Fehler gemacht, es nur einmal aufzubauen. Und musste nochmal ran, um meine Vorstellungen zu treffen.
2. Nimm Dir Zeit. Entwickle eine genaue Vorstellung, bevor Du startest. Ein misslungener Bau ist oftmals das Resultat von zögerlichen Entscheidungen.
3. Höre nicht auf fremde Meinungen. Tu nur, was sich für Dich persönlich richtig anfühlt. Schließlich bist Du es, der das Bike fahren und lieben wird.
4. Wann immer es Dich in den Fingern juckt oder im Magen grummelt – besorge das Wesentliche für den Bau Deines Bikes: Kaffee, Bier und Pizza.
5. Opfere nie die Zeit mit Deinen Kindern oder Deiner Frau für die Maschine. Wenn Du alt bist, wird sich wohl kaum das Bike um Dich kümmern.
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